TOP Amt Schenefeld,Sonderveröffentlichung des

sh:z Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags

vom 29. 9. 2006, Seite 29

 

Familienbetrieb macht
Lust auf Käse

Dass die vor Jahrzehnten stillgelegte Meierei noch einmal von kühlen Käsedüften durchzogen wird, hätte in Besdorf wohl niemand erwartet. »Als wir uns hier eingerichtet haben, kamen viele Landwirte aus der Gegend mal zum Gucken – ein bisschen Rührung war manchen schon anzumerken«, erinnert sich Markus Kober an den Umzug nach Besdorf im Jahr 2001.

Dass das auf Wochenmarkt-Handel mit ökologischem Käse spezialisierte Ehepaar Sibylle und Markus Kober ausgerechnet eine Meierei kaufte, war eigentlich eher Zufall. »Wir wohnten in Hamburg und wollten aufs Land ziehen. Die alte Meierei hatten wir schon ein paar Mal im Angebot gesehen und sogar Witze darüber gemacht, dass das doch passen würde«, sagt Sibylle Kober.

Irgendwann beschlossen die Kobers, sich die hartnäckig zum Verkauf stehende Immobilie einmal anzusehen und fast schon beim ersten Blick stand eines fest: »Das war das Richtige.« Um das zu erkennen, war allerdings ein gutes Stück Vorstellungskraft gefordert: Das 1915 von der örtlichen Genossenschaft errichtete Gebäude war dringend renovierungsbedürftig, hinter grünem Wildwuchs verbarg sich eine in vielen Bereichen angegriffene Bausubstanz. Nach einem befreienden Rückschnitt im Garten und durchgreifenden Renovierungen sieht die Meierei nun fast wieder aus wie zu ihren besten Zeiten – sogar der alte Schriftzug am Giebel wurde behutsam wieder aufgefrischt. »Es war uns wichtig, den Charakter des Gebäudes zu erhalten«, sagt Markus Kober.

Wenn im Inneren auch wieder vertraute Aromen vorherrschen – einen Meiereibetrieb oder eigene Käseherstellung gibt es nicht. Spezialität der Kobers ist die Veredelung von Käsen, die überwiegend von kleinen Öko-Betrieben bezogen werden. Die Laibe werden gewaschen, abgerieben, gewürzt oder eingelegt, um zum perfekten Aroma heranzureifen – ein Vorgang, der viel Arbeit, Fingerspitzengefühl und vor allem Zeit erfordert. »Wir haben zum Beispiel einen 30 Monate gereiften Bergkäse im Angebot. Im normalen Handel findet man nur Käse, der höchstens 12 Monate alt ist«, gibt Sibylle Kober ein Beispiel für die kleinen Finessen, die Kennern das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Damit der Käse optimal reift, will er vor allem seine ganz persönliches Klima haben – der eine schätzt kühle Trockenheit, der andere braucht es feuchter und wärmer, damit Bakterien und Pilze ihr aromatisierendes Werk verrichten können. Neben einem modernen, neu gebauten Kühlraum kommt dabei auch der rustikale Käsekeller der Meierei zu neuen Ehren. »Ganz ohne Technik ist für manche Sorten das Klima einfach ideal«, schwärmt Sibylle Kober.

Wenn der Käsehandel auf Hamburger Bio-Märkten zurzeit noch das stärkste Standbein ist, gibt es bei den Kobers auch neue Pläne. Vor knapp zwei Jahren gründeten sie eine Einkaufsgenosenschaft unter dem appetitanregenden Titel »Lust am Käse«. Ziel, betont Sibylle Kober, sei es vor allem auch, kleineren Käsereien regelmäßige Abnahmen zu garantieren und so einen Markt für Nischenprodukte zu schaffen. »Mit inzwischen 16 Händlern in unserer Genossenschaft können wir auch einmal ganz spezielle Sorten bei einer Käserei in Auftrag geben.« Die Lust am Käse möchte Markus Kober aber auch irgendwann einmal mit Feinschmecker-Seminaren in der alten Besdorfer Meierei wecken. Einen bislang weitgehend im Originalzustand belassenen Produktionsraum der Meierei sieht er nach einem Ausbau schon als stimmungsvolles Ambiente für Genießer-Abende bei Wein und Käse: »Aber das ist im Moment noch Zukunftsmusik.«

sh:z/Autor Stefan Bartels vom 29. 9. 2006

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